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Wenn Algorithmen Bücher abwerten – warum Autoren jetzt erst recht sichtbar bleiben müssen


Aktuell sorgt auf Facebook ein Thema für massive Unruhe unter Autorinnen und Autoren: Viele berichten, dass Amazon offenbar ältere Bewertungen bei der Berechnung des Durchschnittsratings weniger stark oder gar nicht mehr berücksichtigt. Das Ergebnis ist, dass sich bei zahlreichen Büchern der angezeigte Sternedurchschnitt verschlechtert hat, obwohl keine einzige neue Bewertung hinzugekommen ist. Bücher, die lange stabil bei 4,0 oder darüber lagen, rutschen plötzlich auf 3,9 oder niedriger.


Was dabei wichtig ist:

Amazon selbst veröffentlicht keine detaillierte, transparente Erklärung darüber, wie der Bewertungsdurchschnitt genau berechnet wird. Bekannt ist nur, dass Amazon schon seit Jahren mit sogenannten gewichteten Durchschnittswerten arbeitet. Das bedeutet, nicht jede Bewertung zählt automatisch gleich stark. Faktoren wie Aktualität, Verifizierungsstatus (verifizierter Kauf oder nicht) und möglicherweise auch das Nutzerverhalten fließen in die Gewichtung ein. Wie stark einzelne Faktoren wirken, ist nicht öffentlich dokumentiert.


Fakt ist jedoch:

Bewertungen „verlieren“ nicht offiziell ihren Wert im Sinne einer Löschung. Sie bleiben sichtbar. Was sich offenbar verändert, ist ihre rechnerische Bedeutung für den angezeigten Durchschnitt. Genau das empfinden viele Autorinnen und Autoren im Moment als unfair, weil die Qualität eines Buches sich nicht verändert hat, der Eindruck für neue Leser jedoch deutlich schlechter wird.


Die emotionale Reaktion ist nachvollziehbar.

Eine 3 vor dem Komma wirkt psychologisch völlig anders als eine 4. Viele Leser filtern unbewusst schon an dieser Grenze. Für Autorinnen und Autoren, die jahrelang an Sichtbarkeit, Vertrauen und Bewertungen gearbeitet haben, fühlt sich das wie ein Rückschritt ohne eigenes Zutun an.


Trotzdem ist der Schluss, jetzt mit Werbung oder Marketing aufzuhören, strategisch gefährlich.


Denn objektiv gilt weiterhin:


Das Buch ist nicht schlechter geworden.

Die vorhandenen Bewertungen sind noch da.

Der Inhalt, die Geschichte und die Qualität haben sich nicht verändert.

Leser, die wirklich interessiert sind, lesen Rezensionen, nicht nur die Zahl vor dem Komma.


Wer jetzt aufhört zu werben, überlässt sein Buch komplett dem Algorithmus. Wer weiter sichtbar bleibt, erhöht die Chance auf neue, aktuelle Bewertungen, die in der jetzigen Gewichtung vermutlich sogar stärker zählen als ältere. Das ist ärgerlich, aber es ist gleichzeitig eine reale Möglichkeit, den Durchschnitt wieder nach oben zu bringen.


Viele Autorinnen und Autoren sehen im Moment nur den Kontrollverlust.

Was aber bleibt, ist die eigene Handlungsmacht:


Präsenz zeigen

Leser aktivieren

Sichtbarkeit behalten

Vertrauen in die eigene Arbeit bewahren


Ein Algorithmus ist kein Urteil über ein Buch.

Er ist ein technisches System, das sich jederzeit ändern kann. Die Geschichte, die dahintersteht, ist davon unabhängig.


Wer jetzt weitermacht, zeigt nicht nur Professionalität, sondern auch Selbstrespekt gegenüber dem eigenen Werk. Gerade in einer Phase, in der viele aufgeben wollen, kann Durchhalten der entscheidende Unterschied sein.


 
 

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